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die nordstory Spezial
Juist –
Wellen, Strand und starke Pferde

03. Januar 2020, 20:15 Uhr im NDR

Juist ist auch als Pferdeinsel bekannt. Die Gemeinde setzt nach wie vor auf Pferdefuhrwerke, während die meisten der benachbarten Ostfriesischen Inseln schon lange auf Elektrokarren umgestellt haben. Aber das Klappern der Pferdehufe gehört für die Stammgäste zum Urlaubsgefühl und das nostalgische Flair lockt weitere Gäste an.

Etwa 1.500 Menschen leben auf Juist. Jedes Jahr kommen über 130.000 Besucherinnen und Besucher. Mit der Hilfe von rund 100 Pferden wird deren Versorgung bewerkstelligt, das ist deutschlandweit einzigartig.


Kutschenkontrolle durch den Amtstierarzt

Jedes Jahr gibt es eine Kutschenkontrolle. Die Experten Karsten Zech, Fachtierarzt für Reproduktionsmedizin, Rinder- und Pferdegesundheit, und Ibeling Ringena, Amt für Veterinärwesen und Lebensmittelüberwachung beim Landkreis Aurich, nehmen Pferde und Wagen genau unter die Lupe, die Fahrer müssen ihr Können unter Beweis stellen. „Es geht hier um Tierschutz und um die Verkehrssicherheit der Gespanne“, sagt Karsten Zech.

Auch die Juister Pferdemüllabfuhr muss zur Prüfung. Dafür hat Gespannführer Andreas Pläsier seine Kaltblüter besonders gründlich geputzt. „Das ist schlimmer als mit dem Auto durch den TÜV“, sagt Müllwerker Ode Odens.


Das „Sylt der Ostfriesischen Inseln“

Die Nordseeinsel Juist ist tideabhängig, die Fahrt von Norddeich mit der Fähre dauert anderthalb Stunden. Mit ihrem 17 Kilometer langen Sandstrand ist die schmale Insel ein exklusives Fleckchen Erde. Juist gilt als das „Sylt der Ostfriesischen Inseln„, denn die Immobilienpreise gehören zu den höchsten in ganz Deutschland. Wer es sich leisten kann, reist mit dem Flugzeug an. Juist hat eine eigene Fluglinie, aber viele Gäste kommen mit ihrem Privatflugzeug.

Im Hochsommer herrscht Trubel auf dem kleinen Flugplatz. Hans-Werner Harders muss auf dem Tower die Übersicht behalten. Damit die Flugzeuge geordnet einparken, rumpelt Werkstattleiter Piotr Komisarek im Follow-me-Car über die Graspiste. „Man muss hier gut auf sich aufpassen. Einige Piloten sind aufgeregt und haben nicht so viel Routine!“ Danach wartet die Pferdekutsche zum Koffertransport.


Der Sehnsuchtsort hat seinen Preis

Juist ist für viele Menschen ein Sehnsuchtsort, aber das Leben hier ist teuer. Die Insulaner sind geschäftstüchtig, viele haben mehrere Jobs. André Behrends weiß immer, was los ist. Bei ihm im Friseursalon wird der Dorfklatsch umgeschlagen. André kommt vom Festland. „Der Kontakt zwischen den Leuten auf der Insel ist direkter! Man ist immer zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs. Da spricht man automatisch mehr miteinander, als wenn man im Auto sitzt!“

„die nordstory“ taucht tief ein ins Juister Leben, begleitet Insulaner und Saisonarbeiter durch Höhen und Tiefen in einem emsigen Sommer: alles inmitten einer rauen Nordseenatur, im Rhythmus der Gezeiten und im Takt der Pferdehufe auf den Pflastersteinen.